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Historie / 2

Phönizien selbst gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Erhalten hat sich in der  dortigen Region ( Libanon, Syrien, Israel, Palästina) ein doch recht enger  Verwandter unseres heutigen Alpenhütehundes: der Kanaan-Dog. Dieser ist  aber kein Hütehund mehr, sondern eher ein durchgezüchteter Paria-Hund. Dieses sind verwilderte Hunde, die auf sich allein gestellt überleben  können. Trotz gewisser Unterschiede ( Größe und Wesen ) gibt es aber doch  auffallende Gemeinsamkeiten zwischen dem Alpenhütehund und dem Kanaan-Dog. Vor allem stehohrige, eher kurzstockhaarige Alpenhütehunde mit der  urtümlichen Ringelrute sehen dem größeren Kanaan-Dog verblüffend ähnlich. Auch der eigene Willen kennzeichnet beide Rassen, wobei der Alpenhütehund  durch seinen Jahrhunderte langen Einsatz an der Herde weitaus führiger ist. Beim Kanaan-Dog tauchen auch heute noch ab und zu Merkmale auf, die ein Erbe des Phönizischen Schäferhundes sind, so  nachgewiesenermaßen  Kippohren, eine nicht gerollte Rute, längeres Fell ,Befederung und deutlich zu kleine Tiere. Dies alles sind Merkmale, die der Alpenhütehund aufweisen darf.

Kommen wir aber nun  zurück nach Rom. Wie schon weiter oben  erwähnt, verbreiteten die Römer den  Phönizischen Schäferhund in allen Provinzen ihres Reiches. Sehr oft jedoch wurden die Hunde mit einheimischen Rassen vermischt und es entstanden dadurch neue Rassen.  Außer dem schon erwähnten Kanaan-Dog sind einige heutige verwandte Rassen an erster Stelle  der Berger des Pyrenees FaceRase, dann der Berger de Savoie, der Mudi aus  Ungarn, der Hrvatski Ovcar aus Kroatien, der McNab-Hütehund aus Kalifornien, der Border Collie und der Sheltie aus Großbritannien.  Entfernter verwandt ist der Alpenhütehund mit dem Schipperke  aus Belgien, dem Belgischen, Holländischen und Deutschen Schäferhund, dem Norsk Buhhund aus Norwegen, dem Kelpie und Australian Cattle Dog aus Australien, dem englischen Collie, dem Australian  Shepherd aus den USA und dem Österreichischen Kurzhaarpinscher. Der Koolie aus Australien stammt direkt vom Alpenhütehund ab. Anfang des 19. Jahrhunderts brachten östereichische Siedler diese Hunde mit nach Australien, kreuzten sie dort u.a. mit Kurzhaarcollies und schufen so den Koolie, der lange Zeit “German Koolie” hieß.

Mit dem Untergang des  Römischen Reiches schien nun auch das Schicksal des Phönizischen   Schäferhundes besiegelt. Die Hunde waren in alle Winde zerstreut und  gingen in den dortigen Hütehundzuchten auf. Die Blütezeit des Phönizischen   Schäferhundes war vorbei. Nur ein Rest der ehemals großen Zahl dieser Hunde konnte sich rein erhalten, und zwar in den abgelegenen Bergtälern Norditaliens,  Frankreichs, der Schweiz, Tirols und Österreichs. Die Rasse  war schon immer ein Kind des Gebirges gewesen und in den dem Libanongebirge nicht unähnlichen Alpen konnten sich die Hunde noch einmal gut behaupten. Hier blieben sie an einigen Orten wahrscheinlich rein erhalten, weil sie den einheimischen Hunden haushoch in ihrer Arbeitsweise überlegen waren und man sie deshalb schätzen lernte.

Teilweise wurden die Hunde auch mit einheimischen Rassen vermischt, aber seit jener Zeit gibt es nachweislich Hütehunde im Alpenraum, die ein kürzeres oder längeres  stockhaariges Fell tragen, sowie weitere Merkmale aufweisen, die für den  ehemaligen Phönizischen Schäferhund kennzeichnend sind.

Das Problem war auch,  dass die Hütehunde damals keinen eigenen richtigen Namen hatten. Hier hießen  sie so, da hießen sie so und manchmal nannte man sie einfach “Hirtenhund” oder ähnlich. Sie waren reine  Gebrauchshunde und eine  Rassehundezucht in unserem modernen Sinne gab es damals noch nicht.

Einmal noch  können wir den Alpenhütehund in einem historischen Werk antreffen,  im  Stundenbuch des Herzogs von Berry.

 Jener Mann  war der dritte Sohn König Johann II. von Frankreich und lebte von 1340 bis 1416. Sein Herzogtum lag im mittleren Frankreich und war weit vorher um 52 v.Chr. römische Provinz. Der Herzog von Berry war ein großer Kunstmäzen und  Bibliophile und in seinem Auftrag entstand das Stundenbuch, an dem mehrere Künstler tätig waren.

Hier finden wir  auf zwei künstlerischen Bildern unseren Alpenhütehund wieder.

Das erste Bild zeigt, wie Engel den Hirten die Geburt Jesu verkünden.  Drei Schafhirten schauen staunend zu den Engeln empor, während ihre weißen und schwarzen Schafe friedlich weiden. Den Männern zu Füssen liegt ein  Hütehund. Er ist klein, langhaarig, kippohrig und von schwarzer  Farbe mit weißen Flecken (Melierung ?). Eindeutig ein  Alpenhütehund. Keine der französischen Schäferhundrassen sieht nur annähernd so aus. Der Maler hat unbewusst (bewusst ?) eine vielleicht authentische Situation wieder gegeben. Denn zur Zeit der Geburt Jesu  waren Alpenhütehunde, pardon natürlich Phönizische  Schäferhunde auch  in Palästina bekannt und verbreitet. Phönizien hat ja nur etwas nordwestlich an der Küste gelegen. Es kann deswegen gut möglich gewesen  sein, dass neben den Hirten und Schafen auch ein Phönizischer Schäferhund an der Krippe  stand.

Das zweite Bild  zeigt die Begegnung der Heiligen Drei Könige. Kaspar, Melchior und Balthasar treffen aufeinander, um gemeinsam zur  Krippe zu  ziehen.In der Gefolgschaft des Balthasar befinden sich zwei zahme  Wildkatzen (es scheinen Geparde zu sein) und ein langhaariger,  dunkler Phönizischer Schäferhund.

Seine Pose ist der des Hundes auf dem römischen Mosaik sehr ähnlich.

Die Frage stellt sich nun, warum der Maler auf einem so  königlichen, prunkvollen Bild  einen einfachen Hütehund abbildet. Ein Hütehund war kein königlicher  Hund - das waren  nur Jagd- und Windhunde und auch die Schoßhunde der  Damen. Der Hütehund war der Hund einfacher Bauern und Hirten und aus diesem Grunde auch nicht wert, gemalt zu  werden. Dieser Maler hier  tat es aber doch. Vielleicht sollte dieses Bild (welches auch sonst voller Symbole steckt) zeigen, dass man wusste oder annahm, der  Hütehund dieser Rasse stammte ursprünglich aus dem fernen Morgenland (deswegen vielleicht auch die Geparden  auf dem Bild).

Wie es nun auch  sei, der Hund war es Wert gewesen, auf dem Gemälde verewigt zu  werden. Eine Ehre, die nur selten einem Hütehund zu Teil wurde.

Seit dem Beginn  des 20. Jahrhunderts geht die Zahl der Alpenhütehunde immer mehr  zurück.  Mit zunehmender Industrialisierung und Erschließung des  gesamten Alpenraumes wurden auch die Schafs- und Rinderherden  deutlich weniger.

Die  Almwirtschaft veränderte sich in manchen Gegenden und moderne Hochleistungsrassen  wie vor allem der Border Collie machen den Alpenhütehund brotlos und lassen ihn durch Kreuzung mit solchen Hunden immer mehr verwischen.

Schon heute ist  doch überhaupt der Almhirte mit Hund(en) und Herde ein seltener Anblick.

Die Zukunft des  Alpenhütehundes liegt nicht mehr in den Alpen. Als Arbeitshund wird er dort bald sehr selten sein.

Die Zukunft ist  der Familienhund, der aber trotzdem sportlich  und intelligent ist, verschiedenste Einsatzmöglichkeiten auszufüllen.

Und die Zukunft  begann in Deutschland. In der Stadt Haltern, wo um 9 n.Chr. die Römer einen kleinen bronzenen Hütehund zurück ließen, wurde am  22.5.1988 der erste deutsche Wurf der Rasse Alpenhütehund  registriert.

Damit begann die planmäßige und verantwortungsvolle Zucht nach heutigen  Maßstäben

1994 erfolgte  die offizielle Anerkennung des Alpenhütehundes durch den Weltverband  der IKU und die Erstellung eines verbindlichen Standards.  Weitere Rassezuchtverbände  zogen nach und machten  damit die Zucht von Alpenhütehunden mit  gültigen Abstammungspapieren, sowie die Ausstellung auf Hundeschauen und die Bewertung der Tiere durch Schau-Richter erst möglich.                   

So wurde u.a.  auch ein Zuchtprogramm entwickelt , welches den Alpenhütehund für  seine Zukunft als normaler Familienhund fit macht und trotzdem seine Arbeitsfähigkeit bewahrt.

Mit in dieses  Zuchtprogramm gehört auch der  Einsatz eines sorgfältig ausgesuchten  Sheltie-Rüden : “Cascaya`s Basti” (genannt Merlin), Besitzerin Frau  Margit Paulmann. Dieser Shetland-Sheepdog ist  blue-merle, 43 cm hoch , hat halbhohe Kippohren und eine Säbelrute. Er zeichnet sich durch ein  hervorragendes Wesen, große Vitalität und hohe Intelligenz aus.

Mittlerweile hat er mit zwei Hündinnen Nachwuchs gezeugt ( E-, F-, G- und H-Würfe “vom Heidegrund”), der alle Erwartungen mehr als erfüllt.

Alle diese Nachkommen sind schon auf Schauen fachkundigen Richtern vorgestellt worden.

 

Am 17.01.2003 wurde dann in Haltern am See der

Alpenhütehunde Club Deutschland e.V.

gegründet, dessen Ziel der Erhalt und die Förderung der Rasse Alpenhütehund ist.

 

 

Schauen  wir nun in die Zukunft und hoffen, das uralte Erbe  des Phönizischen Schäferhundes in unserem heutigen Alpenhütehund bewahren zu  können.

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